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Der durchschnittliche CO2 Fußabdruck in Deutschland beträgt 11 Tonnen pro Person (Quelle: CO2-Rechner des Umweltbundesamtes). Davon entfallen 2 Tonnen auf Heizen. Ich will hier zeigen, wie wir mit einer Sonnenenergieheizung und saisonalem Wärmespeicher uns gemeinsam schon mal von diesen 2 Tonnen befreien können.
übrigens dürfte im Sinne der Klimagerechtigkeit jede Person auf der Welt 1,3 Tonnen CO2 erzeugen, um das 2° Klimaziel zu erreichen [Quelle], zur Zeit sind es 4,8 Tonnen pro Person.
Aber keine Panik: Als vor 40 Jahren Schüler der Tvind Schule in Dänemark die erste Windkraftanlage bauten, wurden sie als Spinner und Utopisten abgetan. Heute sind solche Windräder eine der Grundlagen der CO2 freien Stromerzeugung. Nicht jede Spinnerei wird zum Erfolgsmodell. Die saisonale Wärmespeicherung wird, wiederum in Dänemark, bereits erfolgreich eingesetzt [Quelle]. Warum sie auch bei uns keine Utopie ist, will ich hier zeigen.
Einleitung
Gas und
ölheizungen stoßen CO2 aus. Sie können genau wie
Verbrennungsmotoren in Zukunft nicht mehr betrieben werden.
Wärmepumpen sollen an ihre Stelle treten. Für Neubauten
mit Fußbodenheizung und Erdwärmepumpe ist das eine ganz
gute Lösung, für bestehende Wohnungen und Häuser
(Luft-Wärmepumpe, Heizkörper-Heizung mit hoher
Vorlauftemperatur) ist es suboptimal.
Viel sinnvoller wäre
es, Sonnenenergie zum Heizen zu verwenden. Mit etwa 30m²
Kollektorfläche pro Wohneinheit (mit einem
Heizenergiebedarf von 15 MWh) könnte man genug Energie
sammeln für das ganze Jahr. Nur können wir die Energie
nicht vom Sommer in den Winter retten.
In Dänemark gibt es
schon viele Energiespeicher, die die Sonnenwärme des Sommers
für den Winter speichern. Nicht für Einzelhäuser
sondern für ganze Siedlungen. Die heißen „saisonale
Wärmespeicher“ [Link].
Das sind sehr große Erdbecken-Wärmespeicher. Aufgewärmt
werden sie von vielen Sonnenkollektoren. Die Wärme wird über
ein Nahwärmenetz in die Häuser und Wohnungen verteilt, für
Heizung und warmes Wasser.
Das klingt utopisch, aber genauer
betrachtet wäre es auch in unserer Siedlung durchaus
realisierbar. Und diese genauere Betrachtung soll hier folgen:
Technik
Wir brauchen also ein
Grundstück, auf das ein (sehr großes und gut isoliertes)
Erdbecken gebaut wird. Wenn möglich daneben oder darunter noch
ein Erdsonden Speicher. Darüber kommen viele Sonnenkollektoren
und einiges an Technik. Und in den Straßen wird ein
Nahwärmenetz verlegt (Nahwärme und Fernwärme sind
eigentlich das selbe). über die Größenordnungen für
verschiedene Szenarien weiter hinten)
Sonnenkollektoren
Sonnenkollektoren
werden typischerweise auf Dächern montiert. Wasser fließt
durch die Kollektoren und wird dabei durch die Sonne erwärmt.
Es ist eine schon lange etablierte Technik. Z.B. Wagner Solar in
Kirchhain stellen, neben vielen anderen Herstellern, solche
Kollektoren her. Sonnenkollektoren sind nicht mit Photovoltaik
Modulen zu verwechseln: erstere erwärmen Wasser, letztere
erzeugen Strom und sind wesentlich teurer.
Sonnenkollektoren
können auch frei aufgestellt werden. Sie werden dann schräg
ausgerichtet, so dass die Sonne möglichst senkrecht darauf
scheint. Wenn hier von Quadratmetern Kollektorfläche die Rede
ist, dann ist immer die Grundfläche gemeint, die echte
Kollektorfläche ist etwa ein Drittel weniger.
Speicher
Der saisonale
Speicher ist das Herzstück der Anlage. Es gibt verschiedene
Arten solcher Speicher. Für ein solch großes Projekt
kommt eigentlich nur der Erdbecken Wärmespeicher in Frage,
ggf. ergänzt durch einen Erdsonden Wärmespeicher.
Erdbecken Wärmespeicher
Der Erdbecken Wärmespeicher wird in die Erde eingelassen
und hat meist eine zylindrische oder leicht konische Form. Für
ca. 1000m³ hätte der Speicher einen Durchmesser von 15m
und eine Tiefe von 6m. Außen herum wird er isoliert, damit
er seine Wärme lange halten kann. Je größer der
Speicher ist, umso besser hält er seine Wärme, und umso
mehr Energie kann er aufnehmen. Er kann mit Wasser oder mit einem
Gemisch aus Kies und Wasser gefüllt werden. Letzteres kann
weniger Energie speichern, ist dafür aber leichter
abzudecken. Das Wasser, welches durch die Kollektoren fließt,
fließt auch durch einen Wärmetauscher im Speicher und
heizt ihn damit auf. Ein weiterer Wärmetauscher dient zum
Entnehmen der Wärme und Einspeisen in das Nahwärmenetz.
Erdsonden Wärmespeicher
Der Erdsonden Wärmespeicher benutzt die Erde oder das
Gestein in bis zu 100m Tiefe zum Speichern der Wärme. Dazu
werden mehrere bis zu 100m tiefe Löcher in die Erde gebohrt
(etwa 15cm Durchmesser im Abstand von etwa 3m). In jedes Loch
kommen zwei Schläuche, die ganz unten mit einem U-Stück
verbunden sind. Dann wird das Loch mit Beton gefüllt. Durch
diese Schlauchverbindung läuft das warme Wasser aus den
Kollektoren und heizt die Erde auf. Wenn man die Wärme wieder
braucht, lässt man kaltes Wasser durch die Schläuche
laufen, welches dann durch die gespeicherte Wärme wieder
erwärmt wird. Die Erde ist natürlich nach unten und
außen nicht gegen die umgebende Erde isoliert und verliert
deshalb die gespeicherte Wärme an die umgebende Erde, die
Wärmeverluste sind viel größer als beim gut
isolierten Erdbecken Speicher. Aber man kann trotzdem relativ viel
Wärme über einen längeren Zeitraum speichern. Man
kann auch leicht viel größere Volumina erreichen und
die Baukosten sind wesentlich geringer als beim Erdbecken
Wärmespeicher. Und der Boden darüber kann fast beliebig
verwendet werden.
Wärmepumpe
Mit dem
Nahwärmenetz wird die Wärme zu den Abnehmern
transportiert. Das Wasser darin muss eine gewisse Temperatur haben,
die Vorlauftemperatur. Und da nicht alle Abnehmer eine
Fußbodenheizung haben, braucht man schon Temperaturen so
zwischen 60° und 80°. Was tun, wenn das Wasser im Speicher
aber nur noch 30° hat? Dazu braucht man eine Wärmepumpe.
Sie entzieht dem Speicher Wärmeenergie, kühlt ihn dabei
im Beispiel von 30° langsam weiter ab, während sie auf der
anderen Seite das zurücklaufende Wasser im Wärmenetz von
sagen wir 40° auf 70° aufheizt. Dann sind wir also doch
wieder bei einer Wärmepumpe angelangt, die wir doch eigentlich
vermeiden wollten. Ja, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Die
Hauswärmepumpe hat auf der kalten Seite vielleicht 10° aus
der Erde oder im Winter frostige Minusgrade aus der Luft. Unsere
Wärmepumpe hier hat auf der kalten Seite vorgewärmtes
Wasser aus dem Speicher oder der aufgewärmten Erde. Und das
macht sie viel effizienter.
Nahwärmenetz
Die
gespeicherte und ggf. von der Wärmepumpe auf das richtige
Niveau „gepumpte“ Wärme muss schließlich zum
Verbraucher, in die Häuser und Wohnungen. Dazu dient das
Nahwärmenetz. Es sind in der Straße verlegte, gut
isolierte Leitungen, ein Vorlauf und ein Rücklauf, die im Haus
an der Wärmeübergabestation
enden. Diese Wärmeübergabestation ersetzt die bisherige
Heizung. Solche Nahwärmenetze wurden schon in
einigen Gemeinden im Landkreis gebaut. Z.B. Bioenergiedorf
Oberrosphe e.G., Bioenergiegenossenschaft Kleinseelheim,
Nahwärme-Schönstadt e.G., Bioenergiegenossenschaft
Mengsberg e.G.
Kosten und Wirtschaftlichkeit
Das
ist für mich das schwierigste Kapitel, da ich letztlich auf
schwer überprüfbare Zahlen zurückgreifen muss.
Andererseits ist der Preis pro kWh Wärme für viele
Verbraucher das entscheidende Kriterium, ob sie bei einem solchen
Projekt mitmachen
Speicher
In dem Buch
„Wirtschaftliche Umsetzbarkeit saisonaler Wärmespeicher“
von Martin Schmuck beziffert der Autor die Bauwerkskosten für
einen 2.500 m³ Speicher auf 465.000 €, für einen
Speicher von 20.000 m³ auf 2,3 Mio. €. Letztlich ist
dieser Preis sicherlich nur eine grobe Schätzung und hängt
auch von den lokalen Gegebenheiten ab.
Für einen Erdsonden
Wärmespeicher finde ich Preise von 70-100 € pro Meter,
also auf 1000 m² Fläche bräuchte man etwa 100
Bohrungen, jede Bohrung 50 m tief, das wären 350.000 bis
500.000 € (und das wäre ein großer Speicher).
Sonnenkollektoren
Flachkollektoren
kosten etwa 250 € pro m2
. Dazu kommt noch die Montage, für die so keine
Preise zu finden sind
Wärmepumpen,
Umwälzpumpen
Preise für industrielle Großwärmepumpen,
die auch hohe Temperaturen erzeugen können, stehen nicht im
Internet. Es gibt sie serienmäßig, z.B. „VITOCAL
350-HT PRO“ von Viessmann
würde von den Leistungsdaten durchaus für eine größere
Anlage genügen, es gibt viele Hersteller, die meist
individuelle Lösungen bieten
Nahwärmenetz
„Erfahrungsgemäß muss bei mittleren
Wärmenetzen mit Kosten zwischen 200 und 400 € je
verlegtem Trassenmeter gerechnet werden.“
[Quelle]. Dazu
kommen noch die Anschlüsse für die Häuser. Die
Bioenergiegenossenschaft Mengsberg verlangt z.B. 4000 € für
einen Genossenschaftsanteil, der einen Hausanschluss beinhaltet.
Gesellschaftliches und Soziales
Es
ist sehr wichtig, wie ein solches Projekt von den Anwohnern
akzeptiert wird. Eine Spaltung der Bevölkerung, wie sie oft
beim Bau von Windkraftanlagen entsteht, muss unbedingt vermieden
werden.
Akzeptanz
Natürlich kann
man versuchen, die Anwohner von den Vorteilen eines solchen
Projektes zu überzeugen. Da sind oft die wichtigsten Argumente
der Preis für das Heizen und die Beeinträchtigung durch
das Aufreißen der Straße. Sicherlich auch der Natur und
Landschaftsverbrauch. änderungen am Bestehenden begegnen viele
mit Skepsis.
Begeisterung wecken ist vielleicht der bessere Weg:
wir können aktiv unseren CO2 Ausstoß erheblich
verringern, wir können ein Vorzeigeprojekt auf die Beine
stellen, wir können Teil einer Gemeinschaft sein beim Nutzen
des Geländes (siehe nächste Punkte).
Lage
Wo soll die Anlage gebaut
werden?
Ich besitze natürlich keine Grundstücke hier
in Cappel (nur das, wo unser Haus drauf steht) und kann auch über
keine Grundstücke verfügen. Und ich möchte niemanden
verschrecken. Vielmehr möchte ich Mitbürger begeistern
für die Idee des klimaneutralen Nahwärmesystems. Und
vielleicht ist da ja auch ein Grundstücksbesitzer dabei. Ich
habe mal in einen Ausschnitt von Google Maps genommen und freie
Flächen eingezeichnet.
A und B sind Baulücken und ca. 3000 m² bzw. 2000 m² groß. Es ist natürlich nicht sehr sinnvoll, Flächen, die als Baugrundstück im Bebauungsplan ausgewiesen sind, für die Solarheizung zu verwenden. Andererseits sind diese beiden Flächen seit mehr als 20 Jahren Bauplätze und werden nicht bebaut. Und von ihrer Größe würden sie schon eine respektable Kapazität bieten. Mit 3000 m² Fläche für Sonnenkollektoren würde man etwa 1800 MWh Wärme pro Jahr erzeugen und könnte bei 15 MWh/a pro Einfamilienhaus gut 100 Häuser heizen
C ist der Parkplatz am Friedhof, und mit knapp 1500 m² vielleicht etwas klein. Andererseits könnte der Speicher unter dem Parkplatz verschwinden und die Kollektoren über dem Parkplatz angebracht werden, so dass es als Parkplatz bestehen bleiben könnte. Ein Teil allerdings würde für die Technik gebraucht.
D ist ein wenig genutzte Stück Waldrand, was allerdings wegen des Waldes die Morgensonne nicht abbekommt. Wenn man neben dem Heizkreislauf des Nahwärmesystems noch einen Sammelkreislauf in der Straße verlegt, dann können die Sonnenkollektoren im ganzen Gebiet verteilt sein, sogar jedes Haus könnte mit Kollektoren einen Beitrag beisteuern. Einige Häuser haben da noch großes Potential: der schöne bogenförmige Bau Ecke Odenwaldstr./Moischter Str. oder die 5 großen Häuser an der Moischter Str. gegenüber.
E: die Busstraße zwischen Sohlgraben und Odenwaldstr. Sie wird ja nur vom Bus befahren, man könnte sie einhausen und mit Sonnenkollektoren decken. Das würde kaum auffallen und einen schönen Beitrag liefern. Und das Streuen im Winter könnte auch entfallen.
F: Zwischen Moischter Straße und Friedhof ist auf 500m Länge ein (schön bewachsener) Straßengraben Der hat die perfekte Ausrichtung und Neigung nach Süden. Man könnte dort ca. 1500 m² Kollektoren unterbringen.
G: Das Feld und die Wiese zwischen Moischter Straße und Eselsgrund. Das wäre natürlich die super-mega-Lösung: In der Summe sind das fast 40.000 m². Ich weiß, in der Mitte ist eine wunderschöne Blumenwiese, die jedes Jahr mit neuen überraschungen daherkommt. Jedes Stück Natur, das für andere Zwecke verwendet wird, ist ein Verlust. Man braucht natürlich nicht die ganze Fläche, hätte aber das Potential zum Erweitern, wenn die Anforderungen steigen.
Unternehmerische Form
In
vielen Dörfern haben sich Genossenschaften gebildet, die ein
Nahwärmenetz und die Wärmeerzeugungs-Anlagen betreiben.
Das ist sicherlich ein gutes Konzept, ich bin mir nur nicht sicher,
ob dieses Projekt nicht eine Nummer zu groß ist.
Die
Alternative wäre, die Stadtwerke würden es in die Hand
nehmen. Vielleicht sind auch Mischformen denkbar.
Gebäudenutzung
Auf dem
Gelände wird es neben den Sonnenkollektoren auch ein Gebäude
geben, welches die Technik enthält. Vielleicht könnte es
zusätzliche Räume geben, die als Nachbarschafts-Café
oder für Leichenschmaus oder Beerdigungskaffee genutzt werden
können (der Friedhof ist nicht weit und es gibt keine solchen
Räumlichkeiten in der Nähe). Sehr witzig wäre auch
eine Sauna, in der man die gesammelte Wärme körperlich
erfahren kann (plus Wärmepumpe). Wichtig wäre nur, dass
die Nutzung auch im Zusammenhang mit den hier wohnenden Mietern
oder Hausbesitzern steht.
Flächennutzung
Unter den
Kollektoren könnten Stellplätze für Autos entstehen:
ein Carsharing Stellplatz, eine Ladestation für E-Autos,
Stellplätze für Anwohner, mit denen man sich von der
Pflicht einen Stellplatz auf dem eigenen Grundstück
einzurichten befreien kann (Entsprechendes Autokonzept für die
Siedlung vorausgesetzt).
Hühnerhaltung unter den
Kollektoren. Der Biolandhof
Freudenthal hält seine Hühner unter einer
Photovoltaik Anlage. Da wachsen immer noch Kräuter, Hühner
können sich vor Raubvögeln unter den Modulen verstecken
und es gibt keine Probleme mit dem Bewuchs.
Energie und Klimabilanz
Für
alle Formen der regenerativen Energie benötigt man Flächen.
Jede Form hat ihre Vor- und Nachteile:
Biogas: für
Biogas braucht man Anbaufläche. Damit kommt man auf etwa
15.000 kWh elektrisch pro Jahr und Hektar [Quelle],
das sind 1,5 kWh pro Jahr und m². Vorteil ist aber, dass
Biogas leicht gespeichert werden kann, und dass mit einem
Blockheizkraftwerk Wärme und Strom gleichzeitig erzeugt werden
kann.
Photovoltaik: liefert knapp 200 kWh elektrisch pro
m² und Jahr, also wesentlich mehr als Biogas. Strom ist
allerdings schwierig zu speichern, wird also meist sofort
verbraucht.
Solarthermie (Sonnenkollektoren): etwa 3 Mal
soviel wie Photovoltaik, also ca. 600 kWh pro m² und Jahr.
Allerdings handelt es sich um Wärme und nicht um Strom.
Windkraftanlage: 1625 kWh elektrisch pro m² und
Jahr. Ich habe da einfach die Zahlen von Niedernhausen
genommen, wo ein großes Windrad auf 0,4 ha im Jahr 6,5 Mio.
kWh liefert. Natürlich ist die Aufstellplatz nicht alles was
ein Windrad braucht. Die Energie kommt ja auch vom Wind, der durch
Sonneneinstrahlung auf riesigen Flächen entsteht. Gut 10000 m²
Sonnenkollektoren erzeugen also genauso viel Energie, wie ein
Windrad von 150 m Nabenhöhe und gut 50 m langen Rotorblättern.
Und in unserer Anlage können wir die Energie vom Sommer in den
Winter retten, während der Windstrom nur schwierig oder mit
Verlusten dauerhaft speicherbar ist. Auf der großen Fläche
könnten wir also locker die Energie von ein oder zwei
Windrädern erzeugen, mehr als wir brauchen.
Wärme
ist die niederwertigste Form der Energie. Strom und Gas sind
wertvoller, da sie vielfältig einsetzbar und leicht zu
transportieren sind. Aber, wenn man Wärme braucht, ist Wärme,
die in der Nähe der Verbraucher entsteht, genau das Richtige.
Noch mehr Technik
Dieses
Kapitel ist sehr technisch und ist eher für Technik
Interessierte gedacht. Es geht darum, wie genau eine solare
Wärmeversorgung mit saisonalem Speicher gebaut werden kann, wo
die Fallstricke liegen und welche Optionen es gibt. Ich bin da zwar
kein Fachmann, habe mich aber ausführlich mit vielen
verschiedenen Aspekten des Themas beschäftigt.
Berechnungen
der Anlagen Leistung (Simulation)
Um abschätzen zu können,
wie groß ein Speicher und wie groß die Kollektorfelder
sein müssen um eine bestimmte Anzahl von Wohneinheiten zu
versorgen, habe ich eine Simulation programmiert, die das Verhalten
einer solchen Anlage simuliert. Dabei bin ich umgekehrt
vorgegangen: bei gegebener Kollektorfläche und Speichergröße
wird das Verhalten der Anlage simuliert, und man sieht als
Ergebnis, wie viel Energie dabei erzeugt wird. Es gibt außer
Speichergröße und Kollektorfläche noch mehrere
andere Parameter, die eine solche Anlage bestimmen.
Zunächst
bestimmt die Oberfläche und Stärke der Dämmung den
Temperaturverlust des Speichers. Die Umgebungstemperatur wird fest
mit 10° angenommen (in der Erde), die Temperaturschichtung im
Speicher wird auch berücksichtigt (kann spezifiziert werden).
Das ist noch recht einfach.
Dann wird der tägliche Ertrag
der Kollektoren bestimmt, prozentual auf die Monate aufgeteilt: Jan
2%, Feb. 3%, März 7%, Apr. 11%, Mai 15%, Juni 15%, Juli 15%,
Aug 14%, Sept. 9%, Okt. 5%, Nov. 2%, Dez. 2% . Der Wirkungsgrad der
Kollektoren kann eingestellt werden. 50% bis 60% sind typische
Werte. Genau genommen hängt der Wirkungsgrad von der
Zulauftemperatur ab, ist bei geladenem Speicher also niedriger als
bei ungeladenem. Das habe ich in der Simulation nicht
berücksichtigt. Eine Maximaltemperatur für den Speicher
kann auch vorgegeben werden, bei überschreiten schalten die
Kollektoren ab (gewöhnlich 90°). Die Kollektoren bewirken
also eine Temperaturzunahme des Speichers.
Der 3, Schritt ist
die Entnahme der Energie aus dem Speicher. Die Energieeinspeisung
ins Nahwärmenetz kann man eingeben. Sie wird wie folgt über
die Monate verteilt: Jan: 16.1%, Feb.: 13%, März: 12.5%, Apr:
8.1%, Mai: 3.5%, Juni: 2.2%, Juli: 1.7%, Aug: 1.6%, Sept: 5.2%,
Okt.: 8.4%, Nov.: 12.2%, Dez.: 15.5%. Auch hier wird linear
zwischen den Monatsmitten interpoliert. Zu einer (einstellbar)
gegebenen Vorlauftemperatur im Nahwärmenetz wird, wenn die
Speichertemperatur über der Vorlauftemperatur liegt, einfach
die Energiemenge aus dem Speicher entfernt. Wenn die
Speichertemperatur die Vorlauftemperatur unterschreitet, kommt die
Wärmepumpe ins Spiel. Sie pumpt die Temperatur auf das
gewünschte Niveau, und entfernt dabei etwas weniger Energie
aus dem Speicher, da sie ja einen Teil der Energie elektrisch
bezieht. Wobei der Wirkungsgrad (COP) vom Temperaturhub abhängt.
Hierzu habe ich noch keine guten Werte gefunden. Ich habe folgende
Werte verwendet: COP ist 2 für 60° Temperaturdifferenz, 4
für 40° und 6 für 20°, dazwischen linear
interpoliert. Das sind typische Werte, vielleicht finde ich noch
etwas besseres. Somit nimmt also die Speichertemperatur etwas
weniger ab, wenn die Wärmepumpe läuft.
Die Simulation
läuft in Tagesschritten, das ist sicherlich ausreichend. Du
kannst selbst diese Simulation ausprobieren, entweder einen der 3
Standard-Szenarien wählen, oder beliebige Werte für die
Parameter eingeben. Hier geht’s zur Simulation.
Szenarien
Ich
habe 3 Szenarien ausgewählt, die sich im Wesentlichen durch
die Kollektorfläche und die Speichergröße
unterscheiden.
Szenario 1: die kleine Version:
Speichergröße 1500m³, Kollektorfläche 400 m²,
das würde für 18 Wohneinheiten a 15 MWh Jahresverbrauch
reichen

Szenario
2: 6000 m³ Speicher und 2000 m² Kollektorfläche,
Hier sieht man, dass Ende August zu viel solare Wärme
geliefert wird, der Speicher ist bei seinem Maximum von 90°
angekommen und schaltet immer wieder ab. 91,85 MWh Wärme gehen
deshalb verloren. Es würde für 92 Wohneinheiten
reichen.
Szenario 3: 15000 m³ Speicher und 4000 m²
Kollektorfläche: hier könnten wir bei optimaler Auslegung
über 180 Wohneinheiten mit Wärme versorgen!
Der
Speicher
Das zentrale Bauwerk der Anlage.
Mit der Größe
des Speichers (und des Kollektorfeldes) wird die Energiemenge
(Anzahl der MWh) festgelegt, die pro Jahr in das Nahwärmesystem
eingespeist werden kann. Im Gegensatz zum Kollektorfeld kann man
ihn nachträglich nicht erweitern. Das Kollektorfeld und ggf.
ein Erdsondenspeicher, der sowieso am besten unter den Kollektoren
liegt, können dagegen einfach erweitert werden, sofern noch
Fläche verfügbar ist. Der Speicher dagegen ist fix, einen
zweiten Speicher zu bauen würde den Skalierungseffekt
(größerer Speicher, weniger Wärmeverlust) nicht
nutzen.
Da der Platz immer knapp ist, sollte der Speicher einen
begehbaren Deckel haben, auch Kollektoren sollten dort stehen
können. Eine schwimmende Abdeckung kann meist nicht verwendet
werden.
Der Speicher sollte gut isoliert sein, damit man die
Wärme bis zum Ende der Heizperiode halten kann.
Die
Schichtung: Das Wasser am Speicherboden ist kälter als am
oberen Rand. Diese Schichtung sollte erhalten bleiben, solange oben
noch nicht die Maximaltemperatur erreicht ist. Manchmal zieht man
horizontale Planen ein, um die Konvektion, das Aufsteigen des
warmen Wassers, zu bremsen. Der Grund: das in den Kollektoren
aufgeheizte Wasser gibt seine Wärme von oben nach unten im
Speicher ab. Wenn es den Speicher unten wieder verlässt,
sollte es viel kälter sein, als beim Eintreten am oberen Rand.
So arbeiten die Kollektoren mit eine höheren Wirkungsgrad.
Meist gibt es noch einen Pufferspeicher, der den eigentlichen
Nahwärmekreislauf bedient. Der kann mit Wärmetauscher
und/oder Wärmepumpe auf einem höheren Temperaturniveau
gehalten werden.
Erdsondenspeicher
Diese
sind bezogen auf die Speichermenge wesentlich billiger. Jedoch
halten sie die Wärme nicht so gut und auch nicht auf dem hohen
Temperaturniveau. Damit braucht man mehr Leistung von der
Wärmepumpe. Andererseits können sie die Effizienz der
Kollektoren erhöhen, da der Rücklauf vom Speicher in die
Kollektoren noch den Umweg über den Erdsondenspeicher nehmen
kann, und damit wesentlich weiter runter gekühlt wird. Auch
haben die Erdsondenspeicher eine natürliche Schichtung
(horizontal, Zylinderschalen), die sehr stabil ist, da sie nicht
durch Konvektion gestört wird.
Wärmepumpe
und Strom.
Strom ist manchmal sehr günstig oder sogar
kostenlos zu haben (entsprechender Anschluss und Einrichtung
vorausgesetzt). Dann sollten die Wärmepumpen laufen und
Energie vom Erdsondenspeicher in den großen Erdbeckenspeicher
pumpen (also dort die Temperatur der oberen Schicht erhöhen,
vor allem von November bis April, wo keine große Aufladung
durch die Kollektoren zu erwarten ist). Zu anderen Zeiten könnte
sie auch der Verbindung Speicher unten – Kollektor Eingang
Temperatur entziehen (und in den Speicher einspeisen) um den
Wirkungsgrad der Kollektoren zu erhöhen. Oder den oft sehr gut
isolierten Pufferspeicher auf hohe Temperatur bringen.
Es klingt
ja ein bisschen unsozial: wir nehmen den Strom, wenn er (fast)
nichts kostet, der teure Strom bleibt für die anderen. Aber so
ist es nicht: Wenn wir den Strom dann nehmen, wenn er im überfluss
da ist, dann können wir im Gegenzug unseren Verbrauch senken,
wenn der Strom knapp ist, und damit ist allen gedient. Man nennt es
auch Netzstabilisierung. Auch die große saisonale Anlage in
Marstal in Dänemark geht so mit dem Strom um.
Das System
hat einen Strom Grundverbrauch, nämlich die Zirkulationspumpen
im Nahwärme-System und die Zirkulationspumpen für die
Kollektoren, die immer oder immer tagsüber laufen. Diesen
Grundverbrauch, der oft bei Sonnenschein hoch ist, kann man gut mit
Photovoltaik abdecken. Photovoltaik, die immer für den
Eigenbedarf ausgelastet ist, müsste sich eigentlich sicher
rechnen. Die Fläche geht natürlich für die
Kollektoren verloren. Spezial Kollektoren, die Wärme und Strom
produzieren gibt es, sind aber vermutlich zu teuer.
Kälteversorgung
Das
ist ein Extra, was möglicherweise über das Ziel
hinausschießt: Wenn schon mal die Straße aufgerissen
wird, kann man neben dem Wärmenetz auch ein Kältenetz
verlegen. Die Anlage liefert etwa 5° kaltes Wasser, welches in
einzelnen Räumen der angeschlossenen Häuser zum Kühlen
verwendet wird. Man nennt so etwas auch Kaltwassersatz und es ist
der Standard zum Kühlen von großen Bürogebäuden
oder Industrieanlagen. In der Heizzentrale läuft eine
Wärmepumpe, die mit ihrer kalten Seite den Kältekreislauf
kühlt und mit der warmen Seite den Speicher heizt. Das
arbeitet auf jeden Fall effektiver als eine private Klimaanlage, da
neben der Kälte auch die Wärme (für den Winter)
genutzt wird. In Zukunft wird das vielleicht interessanter. Da der
Kältebedarf oft mit sonnigen Zeiten zusammenfällt, könnte
hier auch wieder die Photovoltaik zum Einsatz kommen.
Optimierungen
Mit
Erdsondenspeicher und Strom mit wechselnden Preisen wird das System
ziemlich komplex. Abhängig von den Temperaturen im
Pufferspeicher, Erdbecken-Speicher und Erdsondenspeicher, dem
Datum, dem Strompreis, der Strompreisvorhersage, der zu erwartenden
Wärmenachfrage, der aktuellen und zu erwartenden
Sonneneinstrahlung und noch anderer Parameter muss entschieden
werden, durch welche Speicher und mit welchem Durchfluss die
Kollektoren betrieben werden sollen, ob und wie die Wärmepumpe
aktiv werden soll.
Z.B es ist November, der Strompreis ist
gering, der Speicher noch zu 70% voll, wenig Sonne, erwarteter
Wärmebedarf 11 MWh, Erdsondenspeicher noch 80%: dann lass die
Wärmepumpe Energie aus dem Erdsondenspeicher in den Speicher,
unterer Wärmetauscher, pumpen, denn es ist nicht zu erwarten,
dass die Kollektoren viel liefern, die Schichtung im Speicher kann
jetzt ruhig gestört werden, die Wärme im
Erdsondenspeicher schwindet schnell, was man jetzt retten kann,
geht nicht verloren.
Oder: Es ist April, die Speicher sind leer
aber die Sonne scheint: dann ab mit der Kollektorwärme direkt
in den kleinen Pufferspeicher, so können wir uns ohne
Wärmepumpe über den Tag retten. Im großen Speicher
würde die Sonnenwärme jetzt nicht viel verändern.
Man kann sich vorstellen, dass man da schnell ein paar Dutzend
Regeln aufstellen kann, die man auch jedes Jahr wieder verbessern
kann und so das System effizienter macht.